Tectura-Experte zum Thema E-Bilanz: „Die Zeit läuft, aber sie läuft noch nicht davon.“ (Teil 2)

24 Sep

Während jede Mehrwertsteuer-Änderung von den Medien aufmerksam begleitet wird, rollt aktuell eine umfassende Neuerung auf Unternehmen zu, die außerhalb der Fachkreise bisher kaum für Aufmerksamkeit sorgte: die E-Bilanz. Denn die vom Gesetzgeber geforderte elektronische Übertragung von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung hat weitreichende Auswirkungen auf fast alle Unternehmen in Deutschland.

Andreas Müller, Finanzbuchhaltungsexperte beim Microsoft Gold-Partner Tectura, erläutert die Hintergründe der E-Bilanz, erklärt, worauf sich Unternehmen jetzt schon vorbereiten können und beschreibt, welche Hausaufgaben Microsoft noch zu erledigen hat.

Hier lesen Sie den ersten Teil des Interviews.

Kann das denn ein Problem werden?
Das kommt auf die bisherige Buchhaltungspraxis im Unternehmen an. Lassen Sie mich das mit zwei Beispielen verdeutlichen: Das Handelsgesetzbuch gibt zirka 20 Punkte vor, die in der Gewinn- und Verlustrechnung mindestens auszuweisen sind – die Taxonomien der E-Bilanz erheblich mehr. Hieran lässt sich gut erkennen, wie tief die Änderungen in die Buchungstätigkeiten eingreifen.

Ein anderes Beispiel ist der Bereich Lohn und Gehalt. In der betrieblichen Praxis werden alle Löhne, auch die der sogenannten Geringverdiener, auf ein Konto gebucht. Die E-Bilanz fordert die separate Ausweisung von sogenannten Mini-Jobs auf einem eigenen Konto.
Diese Beispiele zeigen: Unternehmen müssen sich mit ihrem Kontenrahmen beschäftigen. Buchen sie zu straff zusammengefasst? Muss der Kontenrahmen erweitert werden? Diese Fragen können am besten in Zusammenarbeit mit dem Steuerberater geklärt werden. Entscheidend ist, genau zu prüfen, welche Konten eventuell eingeführt werden müssen, um den Anforderungen der E-Bilanz zu genügen.

Und dann erst sollten Unternehmen sich über „E-Bilanz und ERP“ Gedanken machen?

Genau. Erst wenn die Vorarbeiten sauber geleistet sind, kommt das ERP-System ins Spiel. Die Taxonomien, also das Grundgerüst der E-Bilanz, können Unternehmen sich bereits seit längerem herunterladen, beispielsweise als Excel-Dateien. Die eigentliche Arbeit in Microsoft Dynamics besteht dann darin, die Buchungsmatrix entsprechend zu erweitern. Das heißt, wenn bisher ein Konto reichte, die Vorgaben der E-Bilanz aber fünf Konten erfordern, muss die Buchungsmatrix entsprechend angepasst werden. Diese Erweiterungen müssen dann beim Buchen passend gezogen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die beim Debitor und Artikel hinterlegen Geschäfts- und Produktbuchungsgruppen entsprechend erweitert werden. Auf diese Arbeit sind unsere Dynamics-Experten vorbereitet, hier unterstützen wir Anwender gerne.

Wie geht Microsoft als Softwareanbieter mit dem Thema um?

Taxonomien und XBRL, die eXtensible Business Reporting Language, die auch bei der E-Bilanz genutzt wird, sind schon seit der Version 4 Teil von Navision. Ursprünglich wurden sie dazu eingesetzt, den Datenaustausch mit Finanzplätzen zu ermöglichen. Die Fachleute bei Microsoft arbeiten aktuell daran, noch offene Punkte zu lösen. Wir rechnen damit, dass hier in den nächsten Wochen weitere Informationen veröffentlicht werden.

Um welche Punkte muss sich Microsoft denn noch kümmern?

Ich sehe hier drei Themen, bei denen Microsoft seine Hausaufgaben noch machen muss: prüfen, importieren, exportieren. Zunächst sollte Microsoft sicherstellen, dass die Felder in Microsoft Dynamics den Anforderungen des Gesetzgebers entsprechen. Das nächste Thema ist der einfachere und sichere Import der Taxonomien. Und schließlich muss Microsoft den Datenexport angehen.

Wie sehen Tecturas weitere Planungen und Angebote für Microsoft Dynamics-Anwender aus?

Wir unterstützen Unternehmen bereits bei der Anpassung ihrer Dynamics-Installation. Sobald genau bekannt ist, wie Microsoft die offenen Punkte angeht, werden wir unsere Kunden und Partner informieren; unter anderem planen wir kostenlose Workshops zu diesem Thema.

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